„Das war das Coolste heute überhaupt“

Beim großen VORLESETAG in Ellingen lernten die Schüler gleichzeitig ungewöhnliche Orte kennen

ELLINGEN. Was haben ein Rathaussaal, eine Apotheke, ein Sudhaus, ein Spielzeugturm und ein Pferdestall gemeinsam? Nun, man kann Kindern und Jugendlichen diese außergewöhnlichen Orte bieten, um Vorlesestoff noch attraktiver und spannender zu gestalten. Der vergangene Freitag war bundesweiter Vorlesetag – „Deutschland größtes Vorlesefest“, wie die Initiatoren sagen. Ellingens Grund- und Mittelschule war mit allen elf Klassen dabei, leistet in diesem Punkt seit bereits zwei Jahren geradezu Vorbildfunktion in der Region. Zu ungewöhnlichen Orten gehören ungewöhnliche Vorleser.

„Ich bin die Fürstin Katalin“, hören die Kinder zur Begrüßung. Danach ist es mucksmäuschenstill im Sudhaus der Fürst Carl-Brauerei. Vor sich zwei riesige Kupferkessel, über sich das klassische Tonnengewölbe, lauschen 18 Kinder den lustigen „Geschichten vom Franz“. Katalin Fürstin von Wrede liest den Kleinen der Klasse 3B fast eine Stunde lang spannende Episoden aus dem Büchlein vor. Die Kleinen hängen wie gebannt an ihren Lippen. Auch der jungen Vorleserin scheint es Spaß zu machen. Mit viel Empathie und Mimik ist auch sie dabei, die für diesen besonderen Lesetermin extra aus München angereist ist. Listigerweise hat sie nach der Vorlesestunde genau da aufgehört, wo es am spannendsten war. Fortsetzung folgt also in der Schule!

Im ehrwürdigen Sitzungssaal des Rathauses liest Hella Schafhauser den Großen der Klasse 9a vor. Für die Heranwachsenden im Zeitalter von Smartphone und Digitalisierung hat die Lesepatin ein ernsteres Thema mitgebracht: „Die Wolke“, ein mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichneter Roman aus der Zeit der AKW-Bewegung. Darin geht es um ein Reaktorunglück, das nach Tschernobyl und Fukushima durchaus auch in Deutschland passieren konnte. Auch diese älteren Schüler sind aufmerksam und diszipliniert bei der Sache. Macht das der besondere Ort oder ist es die „fremde Lehrerin“?

Im offenen Pferdestall liest derweil Erika Just den Kleinen der Klasse 2a aus der „Leseratte“ vor. Nebenan rupft „Navaro“ genüsslich an seinem Hafersack. In dicke Jacken und Decken gehüllt lauschen die Kinder konzentriert den Ponygeschichten um Tora und Lotti. Erika Just hat zum zweiten Mal gute Erfahrungen mit dieser Leseaktion gemacht. Das Elternbeiratmitglied weiß auch, wie man Kinder „einfängt“. Sie zeigt ihnen nach der Lesestunde, wie sie „Navaro“ beigebracht, selbstständig die Stalltür zu öffnen. Kinder und Pferd stehen sich nun andächtig gegegenüber. „Eine Art Win-win-Situation“, meint die Vorleserin lachend. Und was sagen die Kleinen? „Das war das Coolste heute überhaupt“, ist aus den Reihen zu hören.

An diesem Morgen wird noch an weiteren ungewöhnlichen Orten aus Büchern vorgelesen: Im Spielzeugturm und in der Maxkirche, in der Georgskirche, im Kindergarten und im Kolpingsturm. Claudia Schatz, die Schulleiterin, hofft, dass mit dieser erfolgreichen Aktion die Freude am Buch und am Lesen gesteigert werden kann. „Unsere Erfahrungen sind sehr postiv“, sagt sie und weist darauf hin, dass das schulische Lesen in Ellingen schon seit längerem mit ehrenamtlichen Lesepaten gefördert wird. Zudem hat sie in ihrer Schule eine neue gemütliche Schulbücherei etabliert. Nun setzt sie bereits auf das nächste Jahr – und hofft auf weitere Vorleser*innen und neue ungewöhnliche Vorleseorte. (ps)

Text und Bilder Peter Schafhauser – Vielen Dank!

Author: Schulleitung

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